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Editorial
Wünsche, Visionen und Bauen
von Torsten Förster
„Was nicht ist, kann ja noch werden“ sagen wir oft so ganz nonchalant, wenn wir von unseren künftigen Vorhaben sprechen – und deuten mit diesem Gemeinplatz auch immer an, was wir uns eigentlich schon immer gewünscht haben. Wie schön die Welt doch sein könnte, wenn ... Betonprisma 93 beschäftigt sich mit „Wünschen“ – was natürlich noch lange nicht heißt, dass das Heft ein Märchenbuch geworden ist. Uns geht es immer noch um Architektur, Bauen und Beton. Was kann Beton leisten? Was kann der Baustoff, woran Sie vielleicht noch nicht gedacht haben?Welche Ihrer Ideen sind mit Beton machbar? Woran wird geforscht, damit so manche Vision in Zukunft realisierbar wird? Mit welchen Ideen beschäftigt sich die Zunft der Stadtplaner und Architekten zurzeit? Wie innovativ ist das Material, sind seine Anwendungen und ist damit die Architektur? Mit diesem Heft geben wir Ihnen auf diese Fragen Antworten.
Lassen Sie mich oben zitierten Gemeinplatz zweimal abwandeln und dabei auf einige unserer Beiträge eingehen – schließlich untertiteln wir betonprisma mit „Beiträge zur Architektur“ und gliedern jedes Heft in Rubriken. Variation eins: „Was schon ist, muß natürlich nicht mehr werden.“ Das gilt zum Beispiel für das Bauhaus – oder für das, woran wir meistens denken, wenn dieser Name im Zusammenhang mit der Architekturgeschichte des 20. Jahrhunderts fällt. Und doch hilft uns der Blick zurück immer auch für den Weg nach vorn. In der Rubrik „Patina“ (S. 8) können Sie lesen, was von den Visionen des Bauhauses heute noch Bestand hat und wie wir von der Kraft visionärer Wünsche noch immer lernen können. Variation zwei: „Was sein soll, muss erst noch werden.“ Diesem Satz gerät das Hoffnungsvolle etwas abhanden und er soll mitunter auch als Mahnung verstanden werden. Aber haben Visionen nicht auch etwas Forderndes? Läßt sich Architektur ohne den unbedingten Willen, sie durchzusetzen, überhaupt erreichen, damit nicht alles im kompromisslerischen Einerlei endet? Lesen Sie dazu die Rubriken „Gespräch“ (S. 4), „Orte“ und natürlich auch „Reportage“ (S. 18). Letzteres vor allem deshalb, damit auch Sie in Zukunft wissen, wohin Sie sich wenden können, wenn vielleicht für eine Ihrer Vorstellungen die Forschung zu Zement und Beton noch nicht weit genug sein sollte. Oder Sie wissen wollen, ob Ihr Wunsch vielleicht nicht doch erfüllbar ist. Als Letztes noch ein Versuch zur Versöhnung. „Das wird schon“. Das ist ja nun Hoffnung, Wunsch und Vision zugleich, oder? Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre.
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